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Amazon-Gründer Bezos investiert 34 Millionen US-Dollar, damit keine Kleidung mehr aus Baumwolle und Polyester hergestellt wird

May 26, 2026  Twila Rosenbaum  11 views
Amazon-Gründer Bezos investiert 34 Millionen US-Dollar, damit keine Kleidung mehr aus Baumwolle und Polyester hergestellt wird

Jeff Bezos, der Gründer von Amazon und einer der reichsten Männer der Welt, weitet seine Klimafinanzierung auf die Modebranche aus. Wie der Bezos Earth Fund mitteilte, investiert er 34 Millionen US-Dollar in mehrere Forschungsprojekte, die neue Textilfasern aus Bakterien, Agrarabfällen und anderen biologischen Quellen entwickeln sollen. Das Ziel ist ambitioniert: Materialien zu schaffen, die weniger Erdöl benötigen, biologisch abbaubar sind und langfristig Polyester, Viskose oder wasserintensive Baumwolle ersetzen können.

Die Modeindustrie ist einer der größten Umweltverschmutzer weltweit. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist sie für etwa zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich und verbraucht jährlich rund 93 Milliarden Kubikmeter Wasser – genug, um den Bedarf von fünf Millionen Menschen zu decken. Polyester, das aus Erdöl gewonnen wird, macht etwa 60 Prozent der weltweit produzierten Kleidungsstücke aus. Beim Waschen lösen sich Mikroplastikpartikel, die in Flüsse und Ozeane gelangen und letztlich in die Nahrungskette des Menschen eintreten. Baumwolle wiederum benötigt große Mengen an Wasser und Pestiziden; der Anbau von einem Kilogramm Baumwolle kann bis zu 20.000 Liter Wasser verschlingen.

Vor diesem Hintergrund hat der Bezos Earth Fund nun beschlossen, in die Grundlagenforschung neuer Fasern zu investieren. Der Fonds wurde 2020 von Jeff Bezos und seiner Partnerin Lauren Sánchez mit einem Startkapital von zehn Milliarden Dollar gegründet. Bislang konzentrierte er sich vor allem auf Naturschutzprojekte, Wiederaufforstung und die Förderung von Technologien zur CO2-Entnahme. Neu ist die Hinwendung zur Modebranche, die als besonders emissionsintensiv und ressourcenverschwendend gilt.

Hintergrund der Investition: Warum nachhaltige Textilien dringend nötig sind

Die Modebranche steht vor einem grundlegenden Wandel. Fast Fashion – also das Massenproduzieren von billigen Kleidungsstücken, die nach wenigen Malen Tragen weggeworfen werden – trägt maßgeblich zur Umweltbelastung bei. Laut der Ellen MacArthur Foundation landen jedes Jahr Kleidungsstücke im Wert von rund 500 Milliarden Dollar auf Mülldeponien oder werden verbrannt. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein der Verbraucher für nachhaltigere Alternativen, doch die Branche ist träge: Die Lieferketten sind global auf Effizienz und niedrige Kosten getrimmt, nicht auf Umweltschutz.

Polyester ist billig, langlebig und vielseitig – und deshalb so schwer zu ersetzen. Viskose, die aus Holzzellstoff hergestellt wird, erfordert chemische Prozesse, die ebenfalls umweltschädlich sind. Baumwolle, so natürlich sie auch klingt, verbraucht riesige Mengen an Süßwasser und benötigt oft große Flächen für den Anbau. Die Idee, Kleidung aus Bakterien oder landwirtschaftlichen Abfällen herzustellen, ist nicht neu, aber bisher scheiterte eine Marktdurchdringung an hohen Kosten, mangelnder Skalierbarkeit und Qualitätsproblemen.

Der Bezos Earth Fund will nun gezielt jene Forschungslücken schließen. Die 34 Millionen Dollar fließen an verschiedene Universitäten und Forschungseinrichtungen. Gefördert werden unter anderem Teams an der Columbia University in New York, der University of California in Berkeley, der Clemson University in South Carolina sowie der Cotton Foundation. Jede dieser Institutionen verfolgt einen eigenen Ansatz, um die Materialbasis von Kleidung zu revolutionieren.

Forschung aus Columbia: Bakterien fressen Agrarabfälle und spinnen Fasern

Besonders vielversprechend klingt das Projekt an der Columbia University. Dort arbeiten Forscher an einer Methode, bei der spezielle Bakterien landwirtschaftliche Reststoffe wie Maisstängel, Weizenstroh oder Reisspelzen verarbeiten. Die Bakterien produzieren dabei bestimmte Polymere, die sich zu Fasern verspinnen lassen. Im Idealfall entsteht so ein Garn, das sowohl fest als auch elastisch ist – Eigenschaften, die für die Bekleidungsherstellung unerlässlich sind. Der Clou: Die Bakterien ernähren sich von Abfall, der sonst verbrannt oder kompostiert würde. Aus dem Nichts entsteht so ein neuer Rohstoff.

Die Herausforderungen sind dennoch groß. Im Labor funktionieren solche Verfahren oft zuverlässig, doch die Übertragung in industrielle Maßstäbe gestaltet sich schwierig. Bakterien brauchen optimale Nährstoffbedingungen, Temperatur und pH-Werte. Reaktoren müssen steril gehalten werden, um Verunreinigungen zu vermeiden. Zudem ist die Ausbeute an Fasern pro Gramm Substrat noch relativ gering. Die Columbia-Forscher hoffen, mit der Unterstützung des Bezos Earth Fund diese Hürden in den kommenden drei bis fünf Jahren zu überwinden.

Weitere Ansätze: Algen, Pilze und Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie

Neben Bakterien werden auch andere biologische Quellen erforscht. An der University of California in Berkeley arbeiten Wissenschaftler an Fasern aus Algen. Algen wachsen schnell, benötigen kein Süßwasser und können sogar CO2 aus der Atmosphäre binden. Allerdings sind Algenfasern bislang zu brüchig und empfindlich, um in der textilen Massenproduktion eingesetzt zu werden. Die Forscher wollen die Algen mithilfe von Gen-Editing-Methoden so verändern, dass ihre Fasern stabiler werden.

Die Clemson University wiederum konzentriert sich auf Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie. Orangen-, Zitronen- und Apfelschalen fallen in riesigen Mengen an – allein in den USA mehrere Millionen Tonnen pro Jahr. Diese Schalen enthalten Zellulose und Pektin, die sich zu Gossypol-freien Fasern verarbeiten lassen. Bisher werden solche Nebenprodukte meist als Tierfutter oder Kompost genutzt. Ein spinngerechtes Material daraus zu gewinnen, erfordert jedoch aufwendige chemische oder enzymatische Aufbereitungsschritte.

Die Cotton Foundation, die traditionell die Interessen der Baumwollbauern vertritt, unterstützt ebenfalls Projekte, die Baumwolle durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzen. Das mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, doch die Stiftung erkennt, dass die Nachfrage nach nachhaltiger Mode steigt und die Baumwollindustrie sich anpassen muss. Langfristig könnten Hybridfasern aus Baumwolle und biobasierten Komponenten entstehen.

Wissenschaftlicher Anspruch und praktische Hindernisse

Die Forscher betonen, dass sie nicht nur ein einziges neues Garn entwickeln wollen, sondern die gesamte Materialbasis von Kleidung verändern müssen. Dazu gehört auch die Überlegung, wie sich diese neuen Fasern färben lassen, wie sie auf Wasch- und Trocknungsprozesse reagieren und ob sie hautverträglich sind. Mode ist kein rein technisches Produkt: Kleidung muss sich gut anfühlen, modischen Ansprüchen genügen und bezahlbar sein. Genau daran scheitern viele nachhaltige Textilideen.

Ein Beispiel ist das Material „Tencel“, das aus Holzzellstoff hergestellt wird und umweltfreundlicher als herkömmliche Viskose sein soll. Es wird bereits von Marken wie H&M oder Levi’s verwendet, macht aber nur einen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Der Preis von Tencel liegt etwa 20 bis 30 Prozent über dem von Viskose. Für viele Discounter und Fast-Fashion-Produzenten ist das zu teuer. Zudem fehlt es an Produktionskapazitäten: Die wenigen Fabriken, die Tencel herstellen, sind schnell ausgelastet.

Ähnliche Probleme erwarten die neuen bakteriellen oder algenbasierten Fasern. Branchenvertreter warnen, dass junge Materialfirmen zwar gute Ideen haben, ihnen aber das nötige Kapital, Industriekontakte und Produktionskapazitäten fehlen. Der Bezos Earth Fund kann hier eine Brücke schlagen, indem er die Grundlagenforschung finanziert, doch die Kommerzialisierung muss von Unternehmen übernommen werden. Bisher haben nur wenige große Modekonzerne wie Nike oder Adidas eigene Nachhaltigkeitsabteilungen, die in solche Innovationen investieren.

Die Kritik an Bezos: Amazon als Umweltproblem

Die Investition in nachhaltige Mode hat auch eine politische Dimension. Jeff Bezos finanziert Klimainnovationen, bleibt aber gleichzeitig Gründer und Großaktionär von Amazon – einem Konzern, der regelmäßig wegen seiner Umweltbilanz kritisiert wird. Amazon betreibt ein globales Logistiknetzwerk mit Tausenden von Lastwagen, Frachtflugzeugen und Lieferrobotern. Der schnelle Versand – oft innerhalb eines Tages – erfordert eine enorme Anzahl an Fahrten und Verpackungsmaterial. Zwar hat Amazon angekündigt, bis 2040 klimaneutral werden zu wollen, und verweist auf sinkende Emissionen pro Lieferung. Kritiker halten dagegen, dass das Geschäftsmodell selbst grundlegend infrage gestellt werden müsse. Weniger Konsum und kürzere Lieferwege wären effektiver als bloße Effizienzsteigerungen.

Zudem stehen die Arbeitsbedingungen in Amazon-Lagern immer wieder in der Kritik. Hohe Arbeitsbelastung, strenge Leistungsvorgaben und mangelnde Mitbestimmungsrechte prägen das Bild. Bezos persönlich hat sich in den letzten Jahren verstärkt philanthropischen und klimapolitischen Themen zugewandt, was ihm sowohl Lob als auch Spott einbringt. Ein Kommentator der New York Times nannte ihn einmal einen „grünen Multimilliardär, der auf einem Berg von Verpackungsmüll thront“.

Erst vor wenigen Tagen sorgte Bezos zudem mit einem Steuervorschlag für Aufsehen. In einem Interview mit CNBC sprach er sich dafür aus, Geringverdiener in den USA von der Einkommensteuer zu befreien. Auch hier geht es um ein strukturelles Problem – nur im Steuersystem statt in Lieferketten. Beide Vorstöße zeigen Bezos als Unternehmer, der gesellschaftliche Reformthemen öffentlich besetzt. Das wirkt ambitioniert, bleibt aber angreifbar, denn gerade Amazon steht selbst wegen seiner Umweltbilanz und Arbeitsbedingungen in der Kritik.


Source: FOCUS online News


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