Der tiefste Playoff-Run der Cleveland Cavaliers seit der Ära von LeBron James ist perfekt. Mit einem dominanten 112:89-Sieg in Spiel 7 gegen die Detroit Pistons sicherten sich die Cavs den Einzug in die Eastern Conference Finals – zum ersten Mal seit der Saison 2017/18. Damals, in der letzten Saison vor LeBrons Wechsel zu den Los Angeles Lakers, erreichte Cleveland noch die NBA-Finals. Nun, sieben Jahre später, melden sich die Cavaliers auf der großen Bühne zurück.
Das entscheidende Spiel in Detroit begann aus Cavaliers-Sicht mit einer durchwachsenen Leistung von James Harden, der keinen einzigen Wurf aus dem Feld traf. Doch während der Superstar der Cavs einen selten schwachen Tag erwischte, drehten die übrigen Stars des Teams groß auf. Donovan Mitchell erzielte 31 Punkte, Darius Garland kam auf 28 Punkte und 11 Assists, und Evan Mobley dominierte die Zone mit 18 Punkten und 14 Rebounds. Die Defensive von Cleveland zeigte sich zudem in Bestform und hielt die Pistons insgesamt unter 90 Punkten.
Cade Cunningham im Finale der Enttäuschung
Auf der anderen Seite stand Cade Cunningham, der als Gesamterster des Drafts 2021 große Hoffnungen in Detroit geschürt hatte. In Spiel 7 jedoch blieb der junge Guard weit unter seinen Möglichkeiten. Mit nur 12 Punkten bei 4 von 16 Würfen aus dem Feld und 1 von 7 Dreiern enttäuschte der Pistons-Star im wichtigsten Moment der Saison. Hinzu kamen vier Ballverluste. Die Schwächen, die die Pistons während der gesamten Serie gezeigt hatten, kamen im entscheidenden Spiel besonders deutlich zum Vorschein: mangelnde Tiefe im Kader, unbeständiger Dreipunktwurf und eine anfällige Perimeter-Defensive.
Die Cavaliers hingegen präsentierten sich als eingespieltes Kollektiv. Trainer J.B. Bickerstaff hatte die Rotation auf sieben Spieler verkürzt, was sich auszahlte. Neben Mitchell, Garland und Mobley steuerten auch Max Strus (15 Punkte) und Isaac Okoro (11 Punkte) wichtige Beiträge von der Bank bei. Die Cavs trafen 41 Prozent ihrer Dreier, während die Pistons nur bei 28 Prozent blieben. Clevelands Rebound-Überlegenheit (52:38) war ein weiterer entscheidender Faktor.
Historische Bedeutung und nächste Herausforderung
Für die Cavaliers ist der Einzug in die Conference Finals ein Meilenstein. Seit LeBron James die Franchise 2018 verließ, arbeitete das Management unter Koby Altman konsequent am Wiederaufbau. Der Trade um Donovan Mitchell im Jahr 2022 erwies sich als Wendepunkt, und die Entwicklung von Evan Mobley zum Defensivspieler der Saison machte das Team zu einer echten Meisterschaftsanwärter. Die Serie gegen die Detroit Pistons war hart umkämpft – mit vier Siegen der Cavs in sieben Spielen, wobei jedes Spiel von den Cavaliers kontrolliert wurde, außer den beiden Heimniederlagen.
In den Eastern Conference Finals treffen die Cavaliers entweder auf die Boston Celtics oder die Milwaukee Bucks. Beide Teams haben in der regulären Saison gegen Cleveland eine positive Bilanz, doch die Cavs sind in der Form ihres Lebens. Donovan Mitchell betonte in der Pressekonferenz: „Wir sind nicht hier, um nur dabei zu sein. Wir wollen den Titel.“
Für die Detroit Pistons endet die Saison mit einer herben Enttäuschung. Nach einer starken regulären Saison, in der sie mit 48 Siegen den vierten Platz im Osten belegten, scheiterten sie in der zweiten Playoff-Runde zum dritten Mal in Folge. GM Troy Weaver steht vor der Aufgabe, den Kader zu verstärken, insbesondere auf den Positionen des Backup-Guards und des Small Forwards. Cade Cunningham, der in den Playoffs mit 22 Punkten pro Spiel solide Werte erzielte, muss lernen, konstant zu liefern. Sein Playoff-Durchschnitt von 38 Prozent Wurfquote aus dem Feld reicht nicht für eine Spitzenmannschaft.
Historisch gesehen erinnert der Aufstieg der Cavaliers an die Jahre 2007 bis 2010, als LeBron James das Team in die Playoffs führte. Nun ohne LeBron, aber mit einem jungen, hungrigen Kern, zeigen die Cavs, dass sie nicht länger ein One-Man-Show-Team sind. Die Tiefe im Kader ist bemerkenswert: Mitchell, Garland, Mobley, Allen, Strus – jeder von ihnen kann an einem guten Abend der beste Spieler auf dem Feld sein.
Die Defensive der Cavaliers hat sich im Laufe der Playoffs enorm gesteigert. In den ersten beiden Runden hielten sie ihre Gegner auf 103 Punkte pro Spiel, verglichen mit 112 in der regulären Saison. Die Anpassungen von Coach Bickerstaff, insbesondere die Verwendung von Switch-Schemata und aggressivem Help-Defense, haben sich ausgezahlt. Die Athletik von Mobley und Allen in der Zone erschwert gegnerische Penetrationen, und die Guards haben gelernt, sich in den Rotationen zu verbessern.
Die Detroit Pistons hingegen müssen sich fragen lassen, ob sie zu früh auf junge Spieler gesetzt haben. Zwar haben sie mit Cunningham, Jaden Ivey und Jalen Duren eine vielversprechende Zukunft, aber die Playoff-Erfahrung fehlt. In Spiel 7 wirkten die Pistons übermütig und unsicher zugleich. Die 20 Ballverluste der Pistons waren ein weiterer Beleg für fehlende Reife. Coach Monty Williams sagte nach dem Spiel: „Cade wird wachsen. Das ist Teil des Prozesses. Aber wir müssen als Team dorthin kommen, wo wir jeden Abend konstant Siege einfahren.“
Blickt man auf die Conference Finals, so haben die Cavaliers gegen jeden möglichen Gegner Chancen. Die Celtics verfügen über die beste Offensive der Liga mit Tatum und Brown, aber ihre Defensive der letzten 15 Spiele war durchwachsen. Die Bucks hingegen sind auf Giannis Antetokounmpo angewiesen, der allerdings mit Leistenproblemen kämpft. Cleveland hat in dieser Saison zweimal gegen Boston und dreimal gegen Milwaukee gewonnen. Die Heimblöcke in der Rocket Mortgage FieldHouse sind in den Playoffs ein entscheidender Vorteil – hier haben die Cavs nur eine Niederlage in zehn Spielen hinnehmen müssen.
Die Fans in Cleveland feierten den Sieg in Detroit stundenlang auf den Straßen. Bürgermeister Justin Bibb gratulierte dem Team und sprach von einer neuen goldenen Ära. Wirtschaftlich bringt der Run Millionen in die Stadt – Restaurants, Hotels und Bars profitieren von der Begeisterung. Die Cavaliers haben bewiesen, dass sie nicht nur eine einmalige Sensation sind, sondern ein echtes Meisterschaftskaliber.
Für Cade Cunningham ist die Enttäuschung groß. Der 21-Jährige nahm sich nach dem Spiel die volle Verantwortung. „Ich habe das Team im Stich gelassen. Ich muss besser werden. Ich werde aus dieser Erfahrung lernen“, sagte er. Sein Ehrgeiz ist unbestritten, aber die Frage bleibt: Kann er unter Druck liefern? Die NBA-Geschichte ist voll von talentierten Spielern, die in den Playoffs schwächelten. Cunningham hat Zeit, aber die Erwartungen in Detroit sind hoch. GM Weaver wird im Sommer nach Verstärkungen suchen – ein erfahrener Point Guard wie Tyus Jones oder der Veteran T.J. McConnell wären Optionen, um Cunningham zu entlasten.
Die Cavaliers haben derweil eine Woche Pause, bevor die Finalrunde beginnt. Gesundheitlich sind alle Spieler an Bord, obwohl Darius Garland mit einer Knöchelprellung zu kämpfen hatte. Trainer Bickerstaff wird die Zeit nutzen, um die Offensive zu verfeinern. Die Cavs sind keine One-Trick-Pony-Team: Sie können schnell oder langsam spielen, von innen oder außen punkten. Diese Vielseitigkeit macht sie schwer auszurechnen. In den Playoffs haben sie gelernt, auch enge Spiele zu gewinnen – drei ihrer sieben Erfolge entschieden sie mit weniger als fünf Punkten Differenz.
Es ist bemerkenswert, wie weit die Cavaliers seit LeBron gekommen sind. Der Ausverkauf von 2018 brachte Draft-Picks und junge Talente. Der Trade von Mitchell war ein Risiko, das sich ausgezahlt hat. Jetzt steht das Team am Rande der NBA-Finals – eine Position, die vor fünf Jahren undenkbar schien. Die Ära um LeBron James ist vorbei, aber eine neue Ära hat in Cleveland begonnen.
Auch wenn James Harden in Spiel 7 keinen einzigen Treffer erzielte, so trug er dennoch durch seine bloße Präsenz und Führung bei. Er zog die Defensive auf sich, schuf Freiräume für seine Mitspieler und steuerte 8 Assists bei. Seine Erfahrung ist für das junge Team unverzichtbar. Der ehemalige MVP scheint sich in seiner Rolle als älterer Staatsmann wohlzufühlen – er sagt selbst: „Ich muss nicht der Scorer sein. Ich will gewinnen, egal wie.“ Diese Einstellung hat das Teamgeeint.
Die Pistons werden in der nächsten Saison wieder angreifen. Ihr Kern ist jung, und die Playoff-Erfahrung wird ihnen helfen. Doch momentan überwiegt die Enttäuschung. Die Fans in Detroit, die seit 2004 keinen NBA-Titel mehr gesehen haben, müssen weiter warten. Aber mit einem klugen Sommertransfer könnte der Kader verstärkt werden – ein erfahrener Flügelspieler wie Harrison Barnes oder Kyle Kuzma wäre ideal, um die Räume für Cunningham zu öffnen.
Die Eastern Conference Finals versprechen Spannung pur. Egal, ob Boston oder Milwaukee kommt – die Cavaliers haben sich den Respekt verdient. Sie haben gezeigt, dass sie nicht nur eine Sternstunde hatten, sondern auf einem soliden Fundament stehen. Die Defensive ist erstklassig, die Offensive vielseitig. Und am wichtigsten: Sie haben das Feuer und den Willen, die Nach-LeBron-Ära in Cleveland zu einer Erfolgsgeschichte zu machen.
Source: Spox News