Eine inzwischen abgeschaltete Facebook-Seite sorgte am Wochenende für Aufregung im Internet: Sie verbreitete die falsche Nachricht vom Tod des letzten überlebenden Bee-Gees-Sängers Barry Gibb. Die Seite mit dem Namen „R.I.P. Barry Gibb“ sammelte innerhalb kürzester Zeit fast eine Million Likes, wie das Promiportal „TMZ“ berichtete. Viele Fans glaubten die Falschmeldung und trauerten um den 79-jährigen Musiker, dessen markante Falsettstimme die größten Hits der Band prägte. Doch dann meldete sich die Familie zu Wort: Barry Gibb sei gesund und glücklich, zitierte das Magazin aus Familienkreisen. Der Hoax war aufgeflogen.
Der Vorfall ist kein Einzelfall. Laut „TMZ“ sind bereits Justin Bieber, Tom Hanks und Jon Bon Jovi aufsehenerregend für tot erklärt worden. Solche Todeshoaxes haben im Internetzeitalter Hochkonjunktur. Meist stecken dahinter Seitenbetreiber, die mit Klicks und Likes Geld verdienen wollen. Die Opfer sind oft prominente Persönlichkeiten, deren Tod eine große mediale Aufmerksamkeit erzeugt. Bei Barry Gibb kam hinzu, dass seine Brüder Maurice und Robin bereits gestorben sind – die Bee Gees sind also bis auf ihn komplett. Das machte die Falschmeldung besonders glaubwürdig.
Barry Gibb gründete die legendären Bee Gees in den 1950er Jahren gemeinsam mit seinen Brüdern Maurice und Robin in Großbritannien. Die Band begann ihre Karriere in Australien, wo die Familie ausgewandert war, und feierte dort erste Erfolge. In den 1960er Jahren kehrten sie nach England zurück und veröffentlichten Hits wie „New York Mining Disaster 1941“ und „To Love Somebody“. Der internationale Durchbruch gelang ihnen jedoch erst in den 1970er Jahren mit der Veröffentlichung des Soundtracks zum Film „Saturday Night Fever“. Songs wie „Stayin’ Alive“, „How Deep Is Your Love“ und „Night Fever“ wurden zu Welthits und machten die Bee Gees zu einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Ihr Stil – eine Mischung aus Pop, Disco und Falsettgesang – prägte eine ganze Ära.
Nach dem Ende der Disco-Welle Anfang der 1980er Jahre hatten die Bee Gees mit wechselndem Erfolg zu kämpfen. Dennoch blieben sie kreativ und veröffentlichten Alben wie „E.S.P.“ (1987) und „Still Waters“ (1997). Barry Gibb arbeitete auch als Produzent für andere Künstler, darunter Barbra Streisand, Diana Ross und Kenny Rogers. 2002 starb Bruder Maurice Gibb an den Folgen einer Darmoperation, 2012 folgte Robin Gibb nach schwerer Krankheit. Barry Gibb blieb als letzter der drei Brüder übrig. Er setzte seine Solokarriere fort und veröffentlichte 2020 mit „Greenfields“ ein Album, auf dem er seine Hits neu interpretierte – gemeinsam mit Country-Stars wie Dolly Parton und Keith Urban.
Barry Gibbs Musik hat Generationen geprägt. Die Bee Gees haben weltweit über 220 Millionen Platten verkauft und sind in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden. Ihr Vermächtnis lebt weiter, nicht zuletzt durch unzählige Coverversionen und Samples. Die Falschmeldung über seinen Tod zeigt, wie verletzlich selbst Superstars im digitalen Zeitalter sind. Innerhalb weniger Stunden können Gerüchte um den Globus rasen und von Millionen geglaubt werden. Die Familie reagierte schnell, doch für viele Fans war die kurze Zeit der Trauer bereits real.
Wie kommt es zu solchen Hoaxes? Meist erstellen Betreiber Seiten, die offiziell wirken, aber keinen Bezug zur Person haben. Sie nutzen die automatische Erkennung von Facebook nicht aus, sondern setzen auf die Schockwirkung. Der Algorithmus der Plattform verstärkt oft die Verbreitung, weil viele Nutzer die Nachricht teilen oder kommentieren. „TMZ“ berichtete, dass die Seite „R.I.P. Barry Gibb“ innerhalb weniger Stunden fast eine Million Likes erhielt. Erst nach massiven Protesten der Community und einer offiziellen Stellungnahme der Familie wurde die Seite gelöscht. Facebook selbst äußerte sich nicht zu dem Vorfall.
Die Medien spielen eine ambivalente Rolle: Einerseits berichten sie über den Hoax, andererseits geben sie ihm damit eine zusätzliche Plattform. Im Fall von Barry Gibb war es das Promiportal „TMZ“, das die Meldung aufgriff und verbreitete. Erst durch die Recherche des Portals wurde die Falschmeldung als solche entlarvt. Allerdings hätten viele Nutzer gar nicht von dem Hoax erfahren, wenn die Medien nicht darüber berichtet hätten. Ein Teufelskreis, der typisch für die digitale Informationsökologie ist.
Die Bee Gees sind nicht nur für ihre Musik bekannt, sondern auch für ihre besondere Stimmtechnik. Barry Gibb entwickelte schon früh einen unverwechselbaren Falsett, der die Band charakterisierte. In Interviews erklärte er, dass dieser Stil eher zufällig entstand: Die Band suchte nach einer neuen Klangfarbe und probierte hohe Töne aus. Der Erfolg gab ihnen recht. „Stayin’ Alive“ wurde zur Hymne einer ganzen Generation und ist bis heute einer der bekanntesten Songs der Disco-Ära.
Mit 79 Jahren ist Barry Gibb immer noch aktiv. Er tritt gelegentlich auf, moderierte 2019 eine Radioshow und arbeitet an neuen Projekten. Sein Tod ist also kein Thema – doch die Falschmeldung erinnert daran, dass die Musikbranche vergänglich ist. Die Brüder Maurice und Robin sind tot, und Barry wird ihnen irgendwann folgen. Aber bis dahin lebt die Musik der Bee Gees weiter. Der Hoax hat gezeigt, wie sehr die Fans an dem Künstler hängen – und wie schnell sich falsche Nachrichten im Netz verbreiten. Es bleibt zu hoffen, dass solche Seiten künftig schneller erkannt und gelöscht werden.
Insgesamt ist der Vorfall ein weiteres Beispiel für die Schattenseiten des Internets. Prominente müssen sich immer wieder gegen Falschmeldungen wehren, und die Familie Gibb hatte schon mehrfach mit unberechtigten Gerüchten zu kämpfen. In den sozialen Medien kursierten bereits früher Falschmeldungen über den Tod von Barry Gibb, aber keine erreichte eine solche Reichweite. Die aktuelle Seite hat es geschafft, durch geschickte Nutzung von Hashtags und Profilbildern eine Illusion von Authentizität zu erzeugen. Viele Nutzer teilten den Beitrag, ohne ihn zu hinterfragen – ein klassisches Beispiel für die Informationsflut im digitalen Zeitalter.
Die Reaktion der Fans zeigt, wie sehr Barry Gibb geliebt wird. In den Kommentaren drückten Hunderte ihre Trauer aus, bevor die Entwarnung kam. Viele schrieben: „Er war mein Held“, „Ohne ihn ist die Welt ärmer“ oder „Danke für die Musik“. Nachdem die Falschmeldung aufgeklärt war, wandelte sich die Stimmung in Erleichterung und Wut auf den Hoax. „So etwas macht man nicht“, kommentierte ein Nutzer. „Das ist respektlos gegenüber den Angehörigen von Verstorbenen.“ Die Falschmeldung habe nicht nur Barry Gibbs Familie belastet, sondern auch die Fans emotional verunsichert.
Der Fall erinnert an ähnliche Vorkommnisse in der Vergangenheit. 2014 verbreitete sich das Gerücht, dass der Schauspieler Jackie Chan gestorben sei. 2018 wurde fälschlich der Tod von Celine Dion gemeldet. 2020 gab es einen Hoax über den Tod von Paul McCartney, der sogar eine offizielle Dementi der Plattenfirma erforderte. Die Liste ist lang und zeigt, dass kein Prominenter vor solchen Falschmeldungen sicher ist. Die Plattformen sind gefordert, bessere Mechanismen zur Erkennung von Hoaxes zu entwickeln. Bisher reagieren sie meist nur auf Hinweise von Nutzern oder erst nach medialem Druck.
Für Barry Gibb persönlich ist der Vorfall wohl eher lästig als bedrohlich. Er hat gelernt, mit den Kuriositäten des Ruhms umzugehen. In einem Interview mit dem „Guardian“ sagte er einmal: „Die Leute denken, sie kennen mich, weil sie meine Musik kennen. Aber ich bin nur ein Musiker, der sein Glück gemacht hat.“ Sein Glück war die Musik, und die wird ihn überleben. Bis dahin singt er weiter – und hoffentlich noch lange nicht den letzten Song.
Die Falschmeldung hat auch eine positive Seite: Sie hat das Interesse an den Bee Gees neu entfacht. Viele junge Nutzer, die die Band nicht kannten, entdeckten durch die Diskussionen ihre Musik. Auf Spotify und YouTube stiegen die Streamingzahlen für „Stayin’ Alive“ und andere Hits sprunghaft an. Ein ungewollter, aber willkommener Nebeneffekt. So bleibt das Vermächtnis der drei Brüder auch in der digitalen Welt lebendig. Und Barry Gibb kann beruhigt weitersingen – mit der Gewissheit, dass seine Fans immer für ihn da sein werden.
Source: FAZ.NET News