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WM-Comeback? "Damit könnte Neuer seine Karriere riskieren"

May 22, 2026  Twila Rosenbaum  63 views
WM-Comeback? "Damit könnte Neuer seine Karriere riskieren"

Manuel Neuer kehrt in die deutsche Nationalmannschaft zurück und wird bei der anstehenden Weltmeisterschaft 2026 als Torhüter Nummer eins auflaufen. Diese Entscheidung von Bundestrainer Julian Nagelsmann sorgt für hitzige Debatten. Der frühere Nationalspieler und SPORT1-Experte Stefan Effenberg hat nun deutlich gemacht, dass das Comeback des 40-Jährigen ein großes Risiko birgt – sowohl für Nagelsmann selbst als auch für die DFB-Auswahl und nicht zuletzt für den Torwart.

„Die Fitness und Gesundheit des mittlerweile 40-jährigen Neuer sind stets ein Thema“, schrieb der 57-Jährige in seiner Kolumne bei t-online und fügte hinzu: „Nicht ohne Grund stand er nur in 37 von 54 Saisonspielen auf dem Platz.“ Diese Quote offenbart, dass Neuers Körper nicht mehr die Belastung eines kompletten Spielplans aushält. Dabei war der Keeper einst für seine enorme Robustheit bekannt, doch die schweren Verletzungen der vergangenen Jahre – vor allem der Schien- und Wadenbeinbruch nach einem Skiunfall im Dezember 2022 – haben Spuren hinterlassen.

Über Wochen rissen die Diskussionen um Neuer nicht ab, obwohl er eigentlich schon 2024 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war. Nach der enttäuschenden Europameisterschaft im eigenen Land hatte Neuer seinen Rückzug bekannt gegeben, um Platz für die nächste Generation zu machen. Oliver Baumann vom TSG 1899 Hoffenheim galt seitdem als gesetzte Nummer eins und hatte sich in der EM-Qualifikation sowie in den letzten Testspielen bewährt. Nun vollzog Nagelsmann tatsächlich die Kehrtwende: Neuer wird bei der WM 2026 die Nummer eins sein – eine Entscheidung, die die Fußballwelt überraschte.

„Damit könnte Neuer auch seine Karriere riskieren“, betonte Effenberg in seiner Kolumne. „Denn wenn er bei der WM patzt oder sich erneut verletzt, bekäme die Laufbahn eines Welttorhüters am Ende noch einen faden Beigeschmack. Das wäre zwar tragisch, aber seine eigene Schuld.“ Diese Einschätzung teilen viele Experten, denn Neuers letzte Auftritte waren von Unbeständigkeit geprägt. Im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid zeigte er im Hinspiel eine überragende Leistung, im Rückspiel eine Woche später unterliefen ihm gleich mehrere Fehler. Solche Schwankungen waren früher untypisch für den Münchner, der jahrelang als der beste Torhüter der Welt galt.

Effenberg zog auch einen Vergleich zur letzten WM 2022. „Argentinien ist 2022 nicht nur dank Lionel Messi Weltmeister geworden, sondern auch dank Torwart Emiliano Martínez. Und da soll ein 40-Jähriger nun konstant mithalten? Da habe ich meine Zweifel.“ Der ehemalige Mittelfeldspieler wies darauf hin, dass die Anforderungen an einen Torwart bei Weltmeisterschaften extrem hoch sind – nicht nur technisch, sondern auch mental. „Neuer soll offensichtlich Nagelsmanns Trumpfkarte für das Turnier sein – wenn er diese aber verliert, weil er sich verletzt oder nicht die erwartete Leistung bringt, hat der Bundestrainer nichts mehr“, so Effenberg weiter.

Die Degradierung von Oliver Baumann ist ein weiterer heikler Punkt. Baumann hatte sich in den vergangenen zwei Jahren als zuverlässiger Rückhalt erwiesen und galt als verdiente Nummer eins. Nun muss er plötzlich wieder auf die Bank weichen. Effenberg forderte den Hoffenheimer Keeper auf, selbst die Initiative zu ergreifen: „Wäre ich in der Haut von Oliver Baumann, würde ich jetzt zum Telefon greifen und Nagelsmann selbst anrufen. Und nicht warten, bis der Bundestrainer mich anruft und meine Rolle vielleicht neu verteilt. Du kannst ja jetzt nicht auf einen Anruf warten. Da würde ich selbst die Initiative ergreifen.“ Doch selbst wenn Baumann das getan hätte, hätte es wohl nichts mehr genützt – Neuers Rückkehr war bereits beschlossene Sache.

Neben den gesundheitlichen Risiken sieht Effenberg auch ein taktisches Problem. „Bei Neuer schleichen sich mittlerweile fast regelmäßig kleinere oder größere Fehler ein. Er hat nicht mehr die Konstanz früherer Jahre.“ Das sei auch an seiner Fingerverletzung im Training kurz vor der Saison zu erkennen gewesen, die ihn zu einer kurzen Pause zwang. „Nagelsmann hat recht, wenn er von Neuers Aura schwärmt. Ein Kylian Mbappé, ein Vinícius Júnior oder ein Lamine Yamal wird ins Grübeln kommen, wenn er Manuel Neuer vor sich sieht. Kein Oliver Baumann, Alexander Nübel, kein Noah Atubolu ruft diese Ehrfurcht, diesen Respekt hervor – und keiner von ihnen hat diese Fähigkeit, auch unhaltbare Bälle noch von der Linie zu kratzen oder um den Pfosten zu lenken. Das muss zu denken geben und spricht nicht für die viele Jahre so hochgelobte Torwartschule in Deutschland“, erklärte Effenberg.

Die Torwartschule in Deutschland hat in den letzten Jahren tatsächlich einen Wandel durchgemacht. Während früher Keeper wie Sepp Maier, Toni Schumacher oder Oliver Kahn Maßstäbe setzten, fehlt es heute an einer klaren Nummer eins aus den eigenen Reihen. Baumann, Nübel und Atubolu sind talentiert, aber keiner hat die Strahlkraft eines Neuer. Das ist ein Problem für die langfristige Planung des DFB. Nagelsmann muss nun entscheiden, ob er auf die Erfahrung und Aura des Altmeisters setzt oder doch lieber die junge Garde aufbaut. Mit der Entscheidung für Neuer hat er sich festgelegt – und setzt damit alles auf eine Karte.

Ein weiterer Aspekt ist das Verhältnis zwischen Neuer und den anderen Torhütern im Kader. Baumann, der zu Recht enttäuscht ist, könnte die Mannschaft belasten. Auch Nübel, der beim VfB Stuttgart eine starke Saison gespielt hat, wird sich zurückgesetzt fühlen. Die Hierarchie ist klar, aber die Stimmung im Torwartteam könnte angespannt sein. Nagelsmann wird hier als Führungskraft gefragt sein.

Historisch betrachtet gab es immer wieder spektakuläre Comebacks bei Weltmeisterschaften. So kehrte etwa Dino Zoff 1982 mit 40 Jahren als italienischer Kapitän zurück und führte sein Team zum Titel – er ist bis heute der älteste Weltmeister. Auch Peter Shilton war bei der WM 1990 40 Jahre alt und stand im Halbfinale. Allerdings waren beide Torhüter über Jahre hinweg gesund und in Topform. Neuer dagegen hat in den letzten beiden Jahren immer wieder mit kleineren und größeren Verletzungen gekämpft. Die Belastung einer WM mit bis zu sieben Spielen in vier Wochen könnte für seinen Körper zu viel sein.

Effenberg mahnt daher zur Vorsicht: „Ich habe leider kein gutes Gefühl, dass das gut ausgeht.“ Der 57-Jährige spricht aus Erfahrung – als Spieler und als Experte hat er viele Turniere erlebt. Er weiß, dass ein Torwart nicht nur Einzelkämpfer, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des Mannschaftsgefüges ist. Wenn Neuer nicht die erhoffte Leistung bringt, könnte das die gesamte Mannschaft verunsichern. Andererseits könnte sein Comeback auch die Zauber sein, der die Mannschaft zu Höchstleistungen antreibt – wenn er gesund bleibt und an seine besten Leistungen anknüpft.

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Nagelsmanns riskante Entscheidung aufgeht. Im Trainingslager vor der WM muss Neuer beweisen, dass er fit und bereit ist. Die erste Hürde wird ein Testspiel gegen einen starken Gegner sein. Sollte Neuer dort überzeugen, könnten die Zweifel verstummen. Sollte er jedoch patzen oder sich verletzen, stünde die gesamte Turnierplanung vor einem Scherbenhaufen. Die deutsche Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren bei großen Turnieren oft enttäuscht – ein vorzeitiges Aus in der Gruppenphase wäre diesmal eine noch größere Blamage. Die Last auf Neuers Schultern ist enorm, und es bleibt abzuwarten, ob der 40-Jährige dieser Last standhalten kann.


Source: SPORT1 News


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